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Gesang in der Schrift – Teil 1: Das Vermächtnis von König David

Ich freue mich, eine weitere Beitragsreihe des Musiktheologen Dr. Ron Man ansagen zu dürfen. In vier Teilen wird er uns in das Thema „Gesang in der Schrift“ einführen. Es ist also ein bisschen Bibelkunde für Musiker. Bibelgrundlagen für Lobpreisleiter, sozusagen. Im ersten Teil denken wir darüber nach, warum Gesang überhaupt ein regelmäßiger Bestandteil unserer Gottesdienste ist. Diese Tatsache ist das Vermächtnis von König David.

Die Vorgeschichte

Es ist eine bemerkenswerte Tatsache: Nach der Errichtung der Stiftshütte und des dazugehörigen Anbetungssystems durch Mose, ist für viele Jahrhunderte praktisch keine Erwähnung von Musik im öffentlichen Gottesdienst Israels zu finden.

Die einzige Ausnahme ist Numeri 10,10. Hier wird die Anweisung gegeben, dass Trompeten „über“ die Opfer geblasen werden sollen, „auch am Tag eurer Freude und an euren festgesetzten Festen und am Anfang eurer Monate.“

Aber wenn es um Loblieder geht, finden wir nur die Lieder von Mose und Miriam nach dem Durchzug durch das Rote Meer (Exod 15) und das Siegeslied von Debora und Barak in Richter 5.

Die Anbetung in der Stiftshütte scheint ohne musikalischen Lobpreis praktiziert worden zu sein.

Das Vermächtnis

Diese Situation ändert sich mit König David auf drastisch Weise. Als er Jerusalem zur politischen und religiösen Hauptstadt Israels etabliert, ändert sich der Gottesdienst in der Stiftshütte und vor der Bundeslade dramatisch.

Die Stiftshütte und die Bundeslade wurden von tragbaren, mobilen Anbetungsstätten zu stationären, festen Versammlungsorten. Interessanterweise lässt David die mosaische Stiftshütte selbst in Gibeon (1Chr 16,39-43). Nur die Bundeslade bringt er in einer neu errichteten Stiftshütte in Jerusalem unter (1. Chronik 15,1).

Die Opfer werden weiterhin in Gibeon fortgesetzt, und es gibt dort auch einige musikalische Anbetungen (1Chr 16,40-42). Doch Jerusalem wird zum doxologischen Zentrum der Nation. Hier werden die täglichen Lobpreisungen und auch die Feste der Nation gefeiert.

Vollzeitmusiker

David bereichert diese Feiern mit einer gewaltigen Reform des öffentlichen Gottesdienstes. Das macht er vor allem durch die Zuweisung und Organisation großer Teams von Leviten. Sie werden als Vollzeitmusiker, als Sänger und als Instrumentalisten, für die Gottesdienste des Volkes eingesetzt.

Besonders die Kapitel 15, 16, 23 und 25 von 1. Chronik beschreiben diese Entwicklungen.

Historisch und politisch war diese Reform dadurch begünstigt, dass Davids militärische Siege Stabilität und Frieden brachten. Als er dann noch Jerusalem besiedelte, wurde die Ausbildung von Musikern in einer Weise ermöglicht, die vorher schwieriger gewesen wäre.

Liturgische Revolution

Peter Leithart hat ein faszinierendes Buch mit dem Titel From Silence to Song (Vom Schweigen zum Gesang) geschrieben. Es trägt den passenden Untertitel The Davidic Liturgical Revolution (Die davidische liturgische Revolution).

Denn in der Tat führte David, der selbst ein Musiker war, eine revolutionäre Überarbeitung der Art und Weise ein, wie das jüdische Volk den Gottesdienst abhielt.

In seinem Buch legt Leithart die Großartigkeit der davidischen Gottesdienstreformen dar und ihre enormen Auswirkungen nicht nur für Israel, sondern auch für die Kirche bis in unsere Tage. Denn, „wenn Christen im Gottesdienst Hymnen und Psalmen singen, wenn wir Orgeln oder Klaviere, Gitarren oder Trompeten spielen, sind wir Erben von Davids ‚liturgischer Revolution‘ “ (S. 15).

David machte den öffentlichen musikalischen Lobpreis zu einem Kernstück der gemeinsamen Anbetung des Volkes Gottes. Und in dieser Weise besteht sie auch heute noch in unseren Gemeinden fort.

Göttlicher Auftrag

Was gab David das Recht, an den mosaischen Richtlinien für Israels Anbetung herumzubasteln und sie zu erweitern? Leithart zeigt anhand von 1. Chronik 28,13.19 und 2. Chronik 29,25, dass David eine Art Offenbarung vom Herrn zu diesem Zweck erhielt.

Seine expansive Umgestaltung des mosaischen Systems war göttlich inspiriert und sanktioniert.

Leithart liefert auch ein gutes sprachliches und begriffliches Argument für die Veränderung der Rolle der Leviten unter Davids Reformen: Eine der Hauptaufgaben, die Mose ihnen zugewiesen hatte bestand darin, die Lade „emporzuheben“ und zu tragen (4. Mose 4,15; 10. Mose 10,8). Diese Aufgabe war nicht mehr nötig, weil die Lade nun eine stationäre Einrichtung war. Deshalb wandelt sich ihre Rolle nun zu einer des „Emporhebens“ des Herrn in Gesang und Lobpreis.

Der „Dienst“ in der Stiftshütte, den sie verrichten sollten (Deut 10,8; im Deuteronomium wird Musik überhaupt nicht erwähnt), hat nun eine große musikalische Komponente (1. Chronik 16,4-43).

David, der „Liebling in den Gesängen Israels“ (2Sa 23,1), hatte also (neben seinem eigenen musikalischen Schaffen, von dem wir viele Texte im Buch der Psalmen erhalten haben) einen weitreichenden und tiefgreifenden Einfluss auf den Gesang des Bundesvolkes Gottes und seinen Platz im öffentlichen Gottesdienst.

 

der Beitrag erschien im Original zuerst hier

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