… der Graph wird auf dem Bildschirm angezeigt, die Werte verschlechtern sich, es piept, ich kriege Angst, ich denke: „Wo bleibt denn nur der Pfleger?“.
Die Hand, die ich festhalte, ist warm, manchmal zieht sie sich vor Schmerz zusammen.
„Gott, warum?“
„Warum kann ich den Schmerz nicht einfach auf mich übertragen?“
„Warum müssen grade meine Lieben leiden?“
„Warum hilfst du nicht?“
„Du bist doch allmächtig!“
Ein Lied im Leid
Dieses Szenario ist auf der Intensivstation wahrscheinlich kein Einzelfall.
Ich selbst habe das oben Beschriebene in diesem Jahr erlebt, als meine Mutter schwerkrank auf der Intensivstation lag.
Als ihr Zustand sehr kritisch war, trafen wir uns als ganze Familie bei ihr, um uns von ihr zu verabschieden.
Und ein Moment während des Tages hat mich besonders getroffen:
Wir stehen mit einigen Geschwistern und meinem Vater um das Krankenbett meiner Mutter. Sie ist nicht ansprechbar. Und wird stark beatmet. Sie sieht ganz anders aus als vor zwei Monaten.
Mein Bruder schlägt vor, ein Lied anzumachen, was meine Mutter mag.
Das Lied wird abgespielt. Es erinnert mich an gemeinsame Abende, wo ich im Wohnzimmer mit meinen Eltern und einigen Geschwistern saß und dieses Lied sang:
„Deine Gnade garantiert den Sieg in Not, Versuchung, jedem kleinen Krieg. O Herr und Gott, durch deinen Geist gibst du uns Kraft, erfüllst dein Wort, das Leben schafft.“
Und dann höre ich, wie mein Vater am Krankenbett in dieses Lied einstimmt. Mit leiser Stimme. Mit einigen Pausen. Aber er singt.
Was für ein Akt der Anbetung!
Aber nicht, weil er auf den Knien stand. Nicht, weil er seine Hände erhob. Nicht, weil er das Lied perfekt gesungen hat. Sondern, weil seine Herzenshaltung gegenüber Gott zum Ausdruck kam:
Stehend vor einer ungewissen Zukunft, nicht wissend, was kommen wird und wie diese Situation ausgeht, hat er ein Lob auf den Lippen, dass Gott den Sieg schenken wird.
Ein Blick in die Psalmen
Psalm 50,23: „Wer Dank opfert, der ehrt mich, und wer seinen Weg recht ausrichtet, dem zeige ich das Heil Gottes.“
Es muss einen Menschen viel Glauben und Kraft kosten, in schweren und menschlich ausweglosen Situationen ein Lied des Dankes Gott zu bringen.
Das Ermutigende ist, dass selbst der Psalmist David genau dies von Gott erbat:
Psalm 51,17: „Herr, tue meine Lippen auf, damit mein Mund dein Lob verkündige!“
Und nur einen Psalm weiter finden wir a. den Grund und b. die Dauer unserer Anbetung:
Psalm 52,11: „Ich preise dich ewiglich, denn du hast es vollbracht, und in der Gegenwart deiner Getreuen harre ich auf deinen Namen, weil er so gut ist.“
a. Dauer der Anbetung: ewiglich
b. Grund der Anbetung: weil er (Gottes Name) so gut ist
Aber: Anbetung muss nicht zwingend ein Anbetungslied sein!
Psalm 51,19: „Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten.“
Anbetung praktisch
Wenn wir also in den schwersten Momenten unseres Lebens zu Gott beten, offenbart es unsere Einstellung gegenüber Gott. Gott ist immer noch stärker und größer als mein riesiges Problem.
Er ist allmächtig und immer noch gut. Deshalb rufe ich zu ihm. Ein Glaubensschritt. Ein Akt der Anbetung. Eine Antwort auf die Offenbarung von Gottes Wesen.
Er sieht auch dich, deine persönliche Situation, deine Ängste, deine Ohnmacht und schenkt dir durch das ehrliche Gebet einen Einblick in sein Wesen. Dies führt zu einer anbetenden Herzenshaltung, die auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck kommen wird.

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