Das Wichtigste im Leben

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Kevin Igel, Student am BSB, nimmt uns hinein in das Thema Prioritäten und Anbetung.

Was ist das Wichtigste im Leben? Jesus selbst gibt uns auf diese Frage eine klare Antwort, wenn er sagt:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.“ (Matthäus 22,37)
Das hört sich im ersten Moment vielleicht einfach an – und doch merke ich in meinem Leben immer wieder, dass ich meine Prioritäten oft anders setze. Nicht selten stehen mein Job, meine Freunde oder sogar mein Dienst in der Gemeinde an erster Stelle. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht gut, und dennoch habe ich oft erlebt, dass ich mich nach Diensten oder nach Treffen, bei denen man sich über geistliche Themen unterhalten hat, ausgebrannt gefühlt habe. Statt mich als jemanden zu sehen, der Gott von Herzen dient, fühlte ich mich manchmal eher wie ein Heuchler.

Liebe zu Jesus als Basis

Dieses Phänomen habe ich nicht nur bei mir selbst beobachtet, sondern auch bei Mitschülern an der Bibelschule oder Freunden in der Gemeinde. Immer wieder stellte sich mir die Frage: Ist das der normale Zustand eines Christen?
Wir strengen uns an, bemühen uns, „geistlich“ zu wirken, und doch fehlt uns oft die echte Erfüllung. Statt von der Liebe zu Gott angetrieben zu sein, sind wir häufig motiviert von der Angst, nicht zu genügen oder unsere fromme Fassade zu verlieren.
Vergangenen Monat durfte ich an einer Konferenz teilnehmen, bei der einer der Redner etwas tat, das mich tief bewegt hat. Er kam nach vorn und sagte:
„Bevor wir anfangen, lasst uns beten und uns auf das Wichtigste konzentrieren – indem wir Jesus unsere Liebe ausdrücken.“
Von den zwei Stunden, die für das Seminar vorgesehen waren, verbrachten wir über eine Stunde damit, Lieder über Jesus zu singen – Lieder wie „Ich liebe dich, Herr“, „Das Schönste meines Lebens ist, dich lieben, Herr“ oder „Jesus, schönster Name“.

Am Ende brach der Redner in Tränen aus und sagte, genau das sei der Zweck seines Lebens – Jesus zu lieben – und daraus erwachse auch seine Motivation, anderen zu dienen.
Nach diesem Seminar begann ich, meine eigene Beziehung zu Gott zu hinterfragen. Liebe ich den Herrn wirklich – für das, was er ist und was er für mich getan hat – oder bin ich einfach nur geprägt und gefangen in einem Gemeindetrott, in dem der Dienst zum Alltag geworden ist?

Berufen zur Gemeinschaft, nicht zur Leistung

Als Jesus seine Jünger beruft, beauftragt er sie nicht zuerst mit einem Dienst oder einer Aufgabe. Er lädt sie ein, mit ihm zu sein – Zeit mit ihm zu verbringen und Gemeinschaft zu haben.
In Lukas 10 lesen wir, dass Jesus seine Jünger aussendet. Sie erfahren dabei große Vollmacht, heilen Menschen und treiben Dämonen aus. Doch als sie zurückkehren und begeistert von ihren Erfolgen berichten, korrigiert Jesus ihre Perspektive und sagt:
„Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch vielmehr, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ (Lukas 10,20)
Es geht also nicht in erster Linie um das, was wir für Jesus tun, so gut und richtig das auch sein mag. Entscheidend ist die Beziehung, die wir zu ihm haben – und die Freude darüber, dass wir zu ihm gehören. Diese Beziehung und die Liebe zu Jesus sollten der eigentliche Grund sein, weshalb wir leben und dienen.

Nicht mehr unter Druck

Diese Erkenntnis hat mein Glaubensleben verändert. Ich stehe nicht mehr unter dem Druck, etwas für Jesus oder für Menschen leisten zu müssen. Vielmehr darf ich mit Gott Gemeinschaft haben – unabhängig von meinen Taten. Aus dieser Gemeinschaft heraus wächst dann der echte Dienst an Gott und den Menschen.
In der Offenbarung spricht Gott in den Sendschreiben zur Gemeinde in Ephesus. Er lobt sie für ihre Werke, aber er sagt auch, dass sie ihre erste Liebe verlassen haben. Werke, die nicht aus einer Liebesbeziehung zu Gott entstehen, sind letztlich wertlos. Gott ruft sie auf, umzukehren – zurück zu dieser ersten Liebe.
Gott ist nicht auf uns angewiesen, um sein Reich zu bauen. Vielmehr sind wir dazu berufen, in Beziehung mit ihm zu leben, ihn mit ganzer Kraft, mit unserem ganzen Willen und Verstand zu lieben. Wenn diese Beziehung intakt ist, befähigt er uns, gute Werke zu tun – doch das Wichtigste kommt zuerst.

Liebe statt Pflicht

Dasselbe gilt auch für meine persönliche Zeit mit Gott. Wenn ich mich jeden Morgen gezwungen fühle, eine halbe Stunde in der Bibel zu lesen, dann bringt das weder mir noch Gott etwas. Die sogenannte „stille Zeit“ ist nicht für Gott gedacht, sondern für mich – damit ich wieder in Gemeinschaft mit ihm komme.
Ich darf mich also von dem Gedanken lösen, dass Gott mich dafür belohnt, wenn ich regelmäßig lese. Wenn ich über den Tag verteilt in seinem Wort lebe, mit Gedanken des Lobpreises aufwache, in meinem Herzen bete und mit ihm verbunden bleibe, dann muss ich mich nicht verurteilen, wenn ich einmal keine feste stille Zeit habe.
Das Prinzip bleibt dasselbe: Die stille Zeit ist gut und wichtig – aber sie soll Ausdruck unserer Liebe zu Jesus sein, nicht ein Pflichterfüllen aus schlechtem Gewissen. Wenn wir ihn lieben, dann wollen wir von uns aus in seinem Wort bleiben – nicht, weil wir müssen, sondern weil wir dürfen.

Leben aus der Liebe

In Epheser 5,1–2 lesen wir:
„So seid nun Gottes Nachahmer als geliebte Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und sich selbst für uns hingegeben hat als Gabe und Opfer – Gott zu einem lieblichen Geruch.„
Die Motivation Jesu, sich für uns zu opfern, war Liebe. Und diese Liebe dürfen wir als geliebte Kinder widerspiegeln.
Ich möchte dich ermutigen, nicht aus Zwang oder Pflicht Dinge für Gott zu tun, sondern tiefer zu verstehen, was Jesus für dich getan hat. Geh ins Gebet und bitte ihn, dir diese Erkenntnis neu zu schenken. Denn aus dieser ersten Liebe heraus – in einer lebendigen Beziehung mit ihm und für ihn – liegt deine eigentliche Bestimmung.
Aus dieser Beziehung werden dann gute Werke folgen, mit denen du andere ermutigen kannst.
Darum: Stelle das Wichtigste an die erste Stelle – und liebe den Herrn, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.