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Wie viel Live-Stream verträgt unser Gottesdienst?

Ich möchte euch heute etwas in meinen aktuellen Gemeindealltag mit hineinnehmen. Live-Stream bedeutet mehr, als nur eine Kamera anzuschalten. Das ist jedem klar, der sich mit den technischen Aspekten der Online-Übertragung auseinandergesetzt hat. Doch ein Live-Stream hat viel weitreichendere Auswirkungen auf den Gottesdienst, als so manchem vielleicht zunächst bewusst ist. Auch unsere Gemeinde wurde zu Beginn der Coronazeit mit dem Versammlungsverbot konfrontiert. Da wir jedoch schon seit einiger Zeit dabei waren, uns technisch schon auf einen Live-Stream vorzubereiten, war dies der perfekte Anlass, die Pläne in die Tat umzusetzen. Natürlich mussten wir viel lernen und haben manche Anfängerfehler gemacht. Unser Stream ist auch noch längst nicht dort, wo wir ihn haben wollen. Und hier sind wir auch schon beim eigentlichen Thema: Wo wollen wir den Stream denn eigentlich haben? Wie viel Live-Stream verträgt unser Gottesdienst?

1. Live-Stream und Mitwirkende im Gottesdienst

Der Live-Stream ist gnadenlos. Er vergibt keinen schiefen Ton, keinen Versprecher, keine unbewusste Geste. Alles wird eingefangen, aufgezeichnet und verbreitet.

Die Vorstellung live im Internet gesehen zu werden, darf nicht unterschätzt werden. So manchem Prediger oder Sänger kann das echt zu schaffen machen.

Wenn die Gemeinde live geht, dann besteht eine reale Gefahr, dass manche nicht mehr dazu bereit sind, im Gottesdienst mitzuwirken. Sie haben mit einer neuen Befangenheit zu kämpfen und fühlen sich nicht mehr frei in ihrem Dienst.

Unsere Lösung ist derzeit, den Live-Stream halböffentlich zu machen, d.h. der Stream ist nicht über Suchmaschinen auffindbar, sondern nur über den speziellen Link. Dies hat den Druck für uns herausgenommen.

Doch es gibt auch gute Gründe für einen öffentlichen Stream. Dann müssen wir uns allerdings auch den Fragen nach Qualität und Bereitschaft der Mitwirkenden unserer Gottesdienste stellen.

2. Live-Stream und Gottesdienstraum

Für die ersten Übertragungen änderten wir in unserem Raum zunächst nichts. Im Hintergrund stand eine Tür offen, das Licht war nicht optimal und der Bildausschnitt hatte viele ablenkende Elemente.

Stück für Stück änderten und verbesserten wir die Bühne, um den Anforderungen einer guten Übertragung gerecht zu werden. Dabei veränderte sich der Gottesdienstraum auch mit.

Als wir dann endlich wieder in den Präsenz-Gottesdienst übergehen konnten, wurden bald Stimmen laut, diefragten, „Wann wird der Saal denn wieder so aussehen wie früher?“

Ein gutes Bild im Stream benötigt gewisse physische Voraussetzungen im Saal. Dennoch muss man sich gut überlegen, wie weit diese Anpassungen gehen sollen.

Der Raum hat Wirkung. Und es ist schnell geschehen, dass der Besucher vor Ort bald mehr Studio und Produktionstechnik sieht, als ihm lieb ist.

Um die Frage, wie viel Live-Stream unser Gottesdienst verträgt, beantworten zu können, muss der Gottesdienstraum unbedingt mit bedacht werden.

3. Live-Stream und Gottesdienstablauf

Seit wir den Stream kontinuierlich mitlaufen lassen, haben sich ein paar Aspekte unseres Gottesdienstablaufs verändert. Der Moderator hat nun die zusätzliche Aufgabe, die Teilnehmer an den Endgeräten in den Gottesdienst mit hinein zu nehmen.

Der Gottesdienst im Stream benötigt ganz eigene Elemente. Begonnen mit einem Willkommen-Screen, einer Hintergrundmusik zu Beginn und vielleicht einigen Zusatzinhalten nach dem Ende der Live-Übertragung.

Je nachdem wie komplex der Stream gehalten wird, müssen Gottesdienstplaner auf zwei Ebenen denken. Sie müssen eine Gemeinde vor Ort, und eine Gemeinde im Live-Stream ansprechen.

Wir hatten vor Kurzem eine Taufe, die natürlich auch im Stream zu sehen sein sollte. Technisch war es allerdings nicht möglich, live vom See aus zu übertragen. Deshalb nahmen wir die Taufhandlung zunächst auf und streamten sie nach dem eigentlichen Gottesdienst als Anhang.

Andere Gemeinden erleben vielleicht noch größere Veränderungen ihrer Gottesdienstabläufe.

Die Art und die Ziele eines Gottesdienstes im Live-Stream haben direkte Auswirkungen auf die Mitwirkenden, den Raum und den Ablauf des Gottesdienstes.

Ich würde gern von euren Erfahrungen hören. Ein Kommentar unten ist daher willkommen.

Kommentare

4 Kommentare

  1. Ein sehr spannendes Thema.

    Einerseits, muss man sich als Gemeinde schon irgendwie an die heutige Zeit anpassen und die Corona-Zeit ist eine gute Gelegenheit dazu.

    Andererseits werden die kleinen Gemeinden noch kleiner, da die Gottesdienstbesucher oft lieber zuhause bleiben und den Gottesdienst von ferne anzuschauen, was auch bequem erscheint, und die einige wenige Mitarbeiter, die sowieso bereits überfordert sind, müssen noch mehr leisten, indem sie die Aufzeichnung zum Striemen aufbereiten.

    Außerdem fehlt schlussendlich die Gemeinschaft der Gläubigen, die für uns alle so lebenswichtig ist.

    In diesem Fall tut es den kleinen Gemeinden überhaupt nicht gut und wahrscheinlich werden die „großen“ von uns besser mit der Situation umgehen können. Nicht anders ist es auch in der Wirtschaft.

    Hoffentlich, hört der „Corona-Spuck“ bald auf.

    Ich wünsche uns allen viel Kraft, Ausdauer und den echten lebendigen Glauben, der in dieser Zeit durchhält und uns durch diese Zeit trägt.

    • Danke für deinen Beitrag aus der Perspektive einer kleineren Gemeinde. Diese Situation kann gerade dort, wo man sowieso schon die Last auf weniger Schultern trägt, noch drückender werden.
      In meinem Umfeld haben sich die Verantwortlichen kleinerer Gemeinden oft an Größere gewandt und um Hilfe und Beratung gebeten. Da hat es immer wieder gute „Bruderhilfe“ gegeben.
      Auch wir merken leider, wie sich manche Geschwister an die bequemen Seiten der Live-Streams gewöhnen, und selbst dann nicht wieder kommen, wenn es eigentlich schon möglich wäre. Das ist in der Tat eine bedenkliche Entwicklung.
      Was kann deiner Meinung nach getan werden, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

  2. Hallo,
    ich fand es auch sehr spannend, als Musiker die technische Weiterentwicklung während der Corona Zeit zu beobachten. In meiner Gemeinde, mit ca. 400 Mitgliedern, war und ist ein Livestream zwingend notwendig. Ich bin positiv überrascht, wie unsere Leitung mit dem Thema umgegangen ist und wie gut es die Diener in allem mitgetragen haben.

    Wie es in unserer Gemeinde nun weiter geht, ist genau so unklar, wie es mit der Pandemie weiter geht. Ich denke die Herausforderung liegt darin, in jeder Situation das richtige Maß zu finden und Veränderungen gut zu kommunizieren.

    Gruß aus Hannover

    • Danke für dein Kommentar. Die Kommunikation in die Gemeinde hinein ist auch nach meiner Erfahrung ein Schlüssel in dieser ganzen Angelegenheit.


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