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Neue Lieder – flache Lieder!?

Ich habe dieses Argument schon so oft gehört und gelesen: „Wir dürfen die alten Lieder nicht vergessen, denn sie beinhalten reiche Theologie.“ Im nächsten oder übernächsten Satz folgt dann unweigerlich der Kontrast zu den „flachen“ sogenannten „Seven-Eleven Liedern“ (sieben Worte elfmal wiederholt). Ich bin auch sicher, als du diese Zeilen gelesen hast, hat sich in dir eine Reaktion darauf entwickelt. Dafür oder dagegen. Darf ich es wagen in diese Denkweise hineinzusprechen?

Gedanken zum Konflikt

Zunächst einmal möchte ich davon ausgehen, dass jeder, der sich mit Liedern und Liedauswahl in der Gemeinde beschäftigt, von geistlichen Zielen motiviert ist. Der eine möchte zentrale Elemente bewahren, die andere der Gegenwart entsprechende Ausdrucksformen finden.

Beides ist wichtig und notwendig. Und doch scheinen sich diese Positionen aus der jeweiligen Sichtweise gegenseitig auszuschließen. Allerdings werden wir in dieser Auseinandersetzung Zeugen von einigen Denkfehlern:

Erster Denkfehler – Alt gegen Neu

Manche sagen: „Alte Lieder bewahren den Glauben.“ Aber ist das wirklich so?

Stimmt es nicht vielmehr, dass die Wahrheit des Evangeliums und des Wortes Gottes in der Kraft des Geistes den Glauben der Christen bewahrt?

Vom Wert des Alten

Sicherlich haben sich von den tausenden von Liedern der vergangenen Jahrhunderte vornehmlich die erhalten, die eindrücklich Gottes Wahrheit verkündeten.

Gott hat sich zu ihnen bekannt und ihnen einen Dienst über ihre Region und ihre Entstehungszeit hinaus gegeben.

Von der Ablehnung des Neuen

Wer die neuen Lieder unserer Zeit pauschal als engführend, einseitig und aussageschwach abtut, ignoriert die Geschichte. Die „alten bewährten“ Lieder standen einst neben vielen anderen Liedern in den Gesangbüchern, die wir heute aus guten Gründen vergessen haben.

Natürlich wird man in der aktuellen Musikliteratur immer Beispiele für seine ablehnenden Argumente finden. Doch diese Beispiele finden wir in den alten Liederbüchern auch.

Ich muss es so klar sagen: Wer meint, dass in der heutigen Zeit keine wertvollen Lieder mehr entstehen, der sagt damit auch, dass der Geist aufgehört hat, in die Münder der Liederschreiber seiner Gemeinde „ein neues Lied“ zu legen.

Von der Einordnung des Neuen

Neue Lieder entstehen da, wo der Geist Gottes wirkt. Aber nicht nur da. Und genau darin liegt ja die große Aufgabe jeder Generation.

Wir müssen aus dem großen Angebot an Material die Lieder herausfiltern, die für unsere Zeit und unsere Gemeinde Wahrheit verkünden und bewahren. Diese reihen wir dann ein in den Kanon der historisch bewährten Lieder.

Denn Lieder, zu denen Gott sich bekennen möchte, entstehen jedes Jahr. Es geht weniger darum, das Alte zu bewahren, als das Wahre zu bewahren – im Alten sowie im Neuen.

Zweiter Denkfehler – Wenige Worte bedeuten flacher Inhalt.

Wichtige Aussagen brauchen oft nicht viele Worte.

Der zweifelnde Vater rief zu Jesus, „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“.

Der Zöllner im Tempel sagte nur, „sei mir Sünder gnädig“.

Spafford brauchte für sein Lied Wenn Friede mit Gott nur sechs Worte für den Refrain: „Mir ist wohl in dem Herrn“.

Wortreiche Lieder

Es gibt Lieder mit vielen wichtigen Worten, die uns Wahrheit erläutern, verdeutlichen, wiederholen, erklären und anwenden lassen.

Das Lied des Moses nach dem Durchzug des Roten Meeres ist ein vortreffliches Beispiel dafür.

Wortarme Lieder

Aber es gibt auch Lieder mit wenigen Worten, die zu unserem Gebet werden können, die einen einzigen Gedanken vertiefen und die uns diese eine Wahrheit im Gesang erleben lassen.

Nach dem oben erwähnten Durchzug des Volkes Israel entstand auch ein recht wortarmes Lied, den Lobgesang Miriams, das aber nicht weniger wertvoll, wichtig und wahr ist.

Reich gegen Arm

Es geht weniger darum wortreiche oder wortarme Lieder gegeneinander auszuspielen, sondern zu verstehen, welchen Platz jede Art in unserer Gemeinde hat.

Wortreiche Lieder führen uns ins Stauen über Gott, in tiefere Erkenntnis und in einen bewussteren Lobpreis. Sie lassen „das Wort des Christus reichlich unter uns wohnen“ (Kolosser 3,16)

Wortarme Lieder lassen uns bewusst und fröhlich Antwort geben auf die Erkenntnis Gottes. Wir feiern, fühlen, freuen und verändern uns in der Gegenwart Gottes und der Gemeinschaft unserer Geschwister. Wir werden durch die Lieder vom Geist erfüllt (Epheser 5,18-19).

Was ist „Neu“?

In Psalm 96,1 steht, „Singet dem HERRN ein neues Lied.“ Nun kann dieses Lied, das wir singen, deshalb neu sein, weil wir es aus einer frischen Begegnung mit Gott, einer erneuten Hingabe, oder einer neuen Erkenntnis Gottes singen.

Wir dürfen diesen Vers aber auch wortwörtlich nehmen und ganz neue Lieder singen. In der Tat sind für manche junge Leute die alten Lieder die Neuen… sie kennen sie gar nicht mehr.

Vielleicht sind „Bekannt und Unbekannt“ viel bessere Kategorien als „Alt und Neu“.

Prüfen wir also, ob alte Lieder die Wahrheit immer noch in der Tiefe kommunizieren, wie wir es von ihnen erwarten. Erkennen wir die unterschiedlichen Aufgaben von wortreichen und wortarmen Liedern,

Bleiben wir in der musikalischen Entwicklung auf dem Laufenden. Und wenn wir wachsam sind, dann stolpern wir vielleicht über das eine oder andere Juwel.

 

Kommentare

4 Kommentare

  1. Ein sehr guter Beitrag, der versucht, beide Standpunkte miteinander in Verbindung zu setzen. Ich bin diese ständige Auseinandersetzung Leid – und habe schon viele Storys gehört, wie dadurch gute christliche Gemeinschaft auseinander bricht. Für mich ist damit auch unweigerlich die Generationenfrage in der Gemeinde verbunden . Als Musik- und Lobpreisleiter sehe ich dementsprechend meine Verantwortung darin, sowohl „neue“ Lieder als auch bewährte Liederschätze im aktuellen Glaubenskontext der Gemeinde zu reflektieren; einerseits will ich nicht ‚alte‘ Lieder singen, weil sie schon immer gesungen wurden, andererseits will ich nicht ‚neue’ Lieder singen, weil sie schön klingen.
    Das Liedgut der Gemeinde sollte die geistliche Befindlichkeit der Gemeinde treffen, in das Lob und in die Anbetung Gottes sowie zum geistlichen Wachstum der Gemeinde führen.

    • Lieber Mario. Danke für dein Feedback. Es freut mich zu hören, dass du zwischen den Generationen Brücken bauen möchtest und zwar, indem du geistlich Orientiert an die Liederwahl gehst. Das finde ich echt stark.

  2. Es ist traurig zu lesen, dass sie in die Falle der neuen flachen Lieder getappt sind. Sie bringen überall nur Unruhe bis hin zur Spaltung und in meiner letzten Gemeinde nach dem Einsatz von E-Gitarrren den Abfall von Vielen. Oft kam das Argument: Das gibt es auch draußen. Die Jugendlichen hören Heute Musik zur Betäubung, und deshalb haben Christen diese wortarme oft inhaltslose flache Musik abgelehnt. Die Seven-Eleven Musik ist blanker Emotionalismus und das schwärmen für eine „Macht“ ist selbst bei vielen Baptistengemeinden eingedrungen. Leider bedeuten wenige Worte sehr wohl flacher Inhalt, das habe ich leider bei den Charismatikern so gelernt und auch in der Welt bei Pop und Techno noch nie ein anderes Besispiel erlebt.

    • Hallo lieber Stefan. Ich biete dir gern das „Du“ an, wenn du möchtest. Danke für deine Reaktion auf diesen Artikel. Wie ich eingangs erwähne, bin ich mir sehr dessen bewusst, dass diese Thematik sehr unterschiedlich bewertet wird. Du hast den Mut gefunden, deine Perspektive mitzuteilen. Daher möchte ich mich gerne auch mit deinem Kommentar auseinandersetzen.
      Du erwähnst Unruhe und Spaltung durch neue Lieder in den Gemeinden. Und da muss ich dir traurigerweise Recht geben. Konflikte über Musik haben schon zu allen Zeiten Gemeinden herausgefordert und geschadet. Meiner Ansicht nach kann eine Spaltung zwischen Geschwistern aber nicht einfach auf eine Musikform geschoben werden. Der Musikstil-Konflikt offenbart ein viel tiefer liegendes Problem in den Herzen der Beteiligten. Verhärtung und Verbitterung auf beiden Seiten der Argumente führt zu lieblosen Auseinandersetzungen, Missverständnissen und Unfrieden. Und das im Namen des „Lobes Gottes“. Sehr traurig, nicht wahr? Schnelle Antworten auf komplexe Fragen, Verallgemeinerungen und schmerzhafte Erfahrungen geben der Chance auf einen liebevollen Austausch dann den Rest. Am Ende gewinnt der Feind Gottes, da er seine Gemeinde vom Lob Gottes zur Anklage des Nächsten verführen konnte. Und das im „Namen der Wahrheit“. Tragisch.
      Mein Plädoyer ist weder für noch gegen neuen Lobpreis. Ich hoffe, das macht mein Artikel deutlich. Mein Anliegen ist viel mehr, dass jeder Verantwortliche in seiner eigenen Gemeinde das Repertoire an Liedern pflegt, dass den Brüdern und Schwestern dort die Worte gibt ihren Glauben und ihr Lob authentisch und von Herzen zu singen. Das dies von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich klingen kann und darf ist eine tiefe Überzeugung von mir. Es bedeutet nämlich, dass wir gewisse Lieder und Formen für unsere eigene Gemeinde getrost ablehnen dürfen, ohne sie für alle Gemeinden weltweit für untauglich erklären zu müssen. Die Aufgabe eines geistlich eingestellten Musikleiters besteht ja darin, die Wahrheit im Alten und Neuen Liedgut zu bewahren.


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