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Fast wäre es dieses Jahr sogar dazu gekommen, nicht wahr? „Stille Nacht“ am Heiligen Abend – buchstäblich. Die letzten Verschärfungen der Coronaverordnungen untersagen den Gemeindegesang und zum ersten Mal, seit ich denken kann, singt die Gemeinde im Gottesdienst nicht mehr mit,… auch nicht an Weihnachten. Wie passt das zum Wunsch nach „Stiller Nacht“, wenn die Welt und unsere Herzen so in Aufruhr sind?

Stille Nacht?

Joseph Mohr, Aushilfspfarrer der St. Nikola Kirche in Oberndorf bei Salzburg, stand 1818 vor einem ähnlichen Problem. Er sollte die Christmette am 24. Dezember leiten, doch an eben diesem Morgen gab seine Kirchenorgel keinen Ton mehr von sich!

Weihnachten ohne Musik … undenkbar. Und so steckte er sich eines seiner Gedichte ein und machte sich auf den Weg ins Nachbardorf. Dort lebte Franz Xaver Gruber, seines Zeichens Dorfschullehrer und Aushilfsorganist. Dieser sollte bis zum Abend ein Lied daraus machen.

Und es gelang. Eine einfache Wiegenmelodie und eine Gitarre dazu. An diesem Heiligen Abend hörten die Gottesdienstbesucher das Lied zum ersten Mal. Sie waren zu Tränen gerührt.

Aber dürfen wir das heute überhaupt noch singen? Ist es nicht eine Verzerrung der historischen Tatsachen? Singen wir da nicht von sentimentalen Wunschvorstellungen ohne jeden Realitätsbezug?

Wir lesen von einem Stall, einer Geburt, Schafherden, Engelschören, jubelnden Hirten, überfüllten Herbergen – einer stillen Nacht?

Manche Künstler verarbeiten dieses Sentiment der „Stillen Nacht“ auf ihre eigene Weise. In seinem Lied „Labor of Love“ schreibt Andrew Peterson (meine Übersetzung):

Es war keine Stille Nacht
Auf dem Boden war Blut
Man hörte die Schreie einer Frau
In den Gassen jener Nacht
Auf den Straßen von Davids Stadt 

Und der Stall war nicht sauber
Und der Steinboden war kalt
Und klein Maria voller Gnade
Mit Tränen auf den Wangen
Konnte sich an keiner Mutter Hand festhalten

Es war ein Akt der Schmerzen
Es war eine kalte Nacht
Doch jeder Herzschlag des kostbaren Herzens
dieses Mädchens dort am Boden im Dunkeln zeigt,
Es war ein Akt der Liebe

Und doch gehen die Worte des Liedes „Stille Nacht“ seit 1818 um die Welt. Es ist das wohl bekannteste Weihnachtslied weltweit, übersetzt in 320 Sprachen und Dialekten.

Stille Nacht!

Der Text von Joseph Mohr ist keine Dokumentation historischer Ereignisse. So viel ist klar. Er möchte vielmehr die tröstende Bedeutung der Geburt von Jesus aufzeigen.

Er möchte sie nicht nur erklären, sondern sie erlebbar machen. Text und Musik strahlen das in unnachahmlicher Weise aus: Trost und Ruhe.

Leider singen wir oft nur die erste, zweite und letzte Strophe. Aber lasst einmal die Worte des ganzen Liedes (in seiner Originalfassung) auf euch wirken.

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft; einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab‘ im lockigen Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh! 

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn! O wie lacht
Lieb‘ aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund‘.
Jesus in deiner Geburt!
Jesus in deiner Geburt! 

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höhn
Uns der Gnaden Fülle lässt seh’n
Jesum in Menschengestalt.
Jesum in Menschengestalt. 

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoss
Und als Bruder huldvoll umschloss
Jesus die Völker der Welt.
Jesus die Völker der Welt. 

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreit,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß.
Alle Welt Schonung verhieß. 

Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel Alleluja,
Tönt es laut bei Ferne und Nah:
Jesus der Retter ist da!
Jesus der Retter ist da! 

„Stille Nacht“ hat nicht mit den Umständen zu tun, sondern mit dem holden Knab‘, der im Stall zur Welt gekommen ist.

„Stille Nacht“ ist keine historische Tatsache, sondern die Realität in unseren Herzen, wenn auch für uns die rettende Stund‘ angebrochen ist.

„Stille Nacht“ ist keine haltlose Wunschvorstellung, sondern das Geschenk Gottes, der uns der Gnaden Fülle lässt seh’n.

„Stille Nacht“ ist mehr als die Sehnsucht nach Gemeinschaft. Es ist die Zusage der väterlichen Liebe Gottes für alle Völker der Welt.

„Stille Nacht“ ist kein Klammern an alte Traditionen, sondern ein Besinnen auf die Befreiung, die Gott in der Väter urgrauer Zeit bereits verheißen hatte.

„Stille Nacht“ ist kein hoffnungsloser Idealismus, sondern verheißene Wirklichkeit für jeden, der mit einstimmen kann: Jesus, der Retter ist da!

 

Mit diesen Worten verabschiede ich mich für dieses Jahr und wünsche euch frohe Weihnachten. Danke, dass ihr die ersten Monate meines Blogs mit dabei gewesen seit.

Kommentare

2 Kommentare

  1. Danke für die Hintergrundgeschichte und deine Gedanken! Frohe Weihnachten, Gott segne dich. Liebe Grüße Michael

    • Danke für die Rückmeldung. Ich hoffe, ihr hattet gute Feiertage.


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