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Lobpreisleiter: eine wesentliche Rolle … nicht nur musikalisch

Don Newby ist für viele sicher ein Begriff. Viele Jahre lang hat er die Gemeindelandschaft in Deutschland als Musiker und Evangelist bereichert. Ich persönlich kam über das Bibelseminar Bonn mit ihm in Kontakt. Vor einigen Jahren unterrichtete er nämlich den gleichen Kurs, den ich jetzt dort betreue. Wir sind dann ziemlich schnell Freunde geworden. Als er meinen Blog „Singen mit Profil“ las, schrieb er mir: „Vielen Dank für diesen Blog Entry! Diese Gedanken sprechen mir total aus dem Herzen. Seit Jahren ist es meine Passion und Vision, Lobpreisleiter von ihrer pastoralen Verantwortung in Gemeinden zu überzeugen und ihnen ihren starken Einfluss auf das Gemeindeleben und auf das individuelle Gemeindemitglied klarzumachen.“ Meine Antwort: „Dann schreib´ doch bitte auch was“ – und hier ist das Ergebnis:

Ein Lobpreisleiter im Dienst der Gemeinde hat mehrere Funktionen. Durch die Musik predigt, evangelisiert und lehrt er. Er sollte auch eine Rolle in der Planung und Gestaltung der Gottesdienste spielen. Deswegen sollen seine geistlichen Qualifikationen ähnlich sein wie die von einem Pastor, Evangelisten oder Lehrer. Die musikalische Qualifikation allein genügt nicht.

Was erwartest du also von deinem Pastor? Dass er moralisch vollkommen ist? Nein. Dass er sündenfrei lebt? Nein. Dass er demütig und lernfähig vor der Gemeinde lebt? Ja. Dass er sich theologisch und biblisch auskennt? Ja. Dass er die Fähigkeit besitzt, biblische Prinzipien effektiv zu kommunizieren? Ja. Dass er Jesus authentisch, ehrlich und täglich mit ganzem Herzen folgt? JA.

Lobpreisleiter spielen eine wesentliche pastorale Rolle in der Gemeinde … nicht nur eine musikalische. Sie sollen in der Lage sein, biblische und geistliche Prinzipien durch ihr Medium effektiv zu kommunizieren. Sie sollen ehrlich und authentisch leben und mit dem ganzen Herzen Gott im Alltag folgen.

Damit der Lobpreisleiter dieser Verantwortung gerecht werden kann, müssen einige Dinge im Voraus passieren: Das Lobpreisrepertoire sollte mit der Gemeindeleitung abgestimmt sein und die Gottesdienste sollten gemeinsam geplant und gestaltet werden. Dann erst kann der Lobpreis konkret an den folgenden drei Fragen orientiert geplant werden:

1. Was soll gesagt werden? (Die Botschaft)

Was sind die geistlichen Nöte der Leute, für die ich singe/spiele/predige? Was für eine Hilfe oder welche Botschaft brauchen sie?

Die Antwort auf diese Frage ändert sich ständig: Wie ist das politische Klima? Was ist gerade in der Gemeinde passiert? Ist jemand gestorben? Gibt es einen Leitungswechsel? Sind Kinder geboren worden?

Ich war vor ein paar Jahren an einem Samstag für einen Workshop im Ruhrgebiet. Am darauffolgenden Sonntag sollte ich im Gottesdienst den Lobpreis leiten.

Die Gemeinde vor Ort hatte eine türkische Familie als Projekt angenommen. Die Kinder waren in den Kinderkreis und Jugendkreis gekommen. Für die Familien wurde viel gebetet

In der Nacht von dem Samstag auf Sonntag warfen Skinheads Molotowcocktails durch die Wohnungsfenster der Familie und alle sind ums Leben gekommen.

Ich musste am Sonntag meinen ganzen Lobpreisplan rausschmeißen und neu überdenken. Die Antwort auf die Frage -„Was soll gesagt werden?“- hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes von heute auf morgen verändert.

2. Wem soll es gesagt werden? (Die Hörer)

Zu welcher Schicht der Gesellschaft (Alter, Hintergrund, usw.) gehören sie? Wo befinden sie sich in ihrer geistlichen Reise?

Wenn ich vor einer Jugendgruppe stehe und sie im Lobpreis anleite, muss ich mich fragen:

  • Wie hoch ist ihre Konzentrationsfähigkeit?
  • Wie kann ich sie menschlich “gewinnen”, um das Recht zu erlangen, sie vor den Thron Gottes zu führen?

Wenn ich vor einer Gemeinde am Sonntagmorgen stehe, muss ich mich fragen:

  • Wie unterschiedlich sind sie gesellschaftlich, altersgemäß, vom Familienhintergrund her und
  • wie kann ich sie zusammenführen, damit sie in Herzenseinheit miteinander vor den Thron Gottes treten?
  • Wie kann ich Spannungen zwischen den Gruppierungen beseitigen?

3. Wie soll es gesagt werden? (Der Träger)

Welche musikalische Stilrichtung ist angemessen? Wie kann ich am besten mit meinen Fähigkeiten und Mitteln die Botschaft klar, deutlich, verständlich und interessant machen?

„Angemessen“, nicht „erlaubt.”

Vor ein paar Jahren habe ich an einem Samstag einen Lobpreisworkshop mit einer Band gemacht. Im Laufe des Tages merkte ich, dass immer wieder ältere Gemeindemitglieder dazukamen.

Sie standen aber ganz hinten im Saal mit kritischen Blicken. Nach einigen Minuten gingen sie wieder.

Ich dachte: „Oh Mann, hier gibt es Spannungen wegen Lobpreis.“

Im Laufe des Nachmittags im Workshop konnte ich feststellen, dass der „Dynamo” im Lobpreisteam ein junger Pianist war, der zeigen wollte, wie cool, wie modern die Musik im Gottesdienst sein könnte.

Die Älteren hatten seine Motivation aber sofort gecheckt. Der junge Mann hätte sich diese Frage stellen sollen: „Welche musikalische Stilrichtung ist angemessen?“

Im Gottesdienst dienen wir nicht nur Gott, sondern auch den Gottesdienstbesuchern. Unsere Aufgabe als Lobpreismusiker ist es, ihnen den Weg zum Thron Gottes zu zeigen und sie einzuladen, den Weg mitzugehen.

Wir wollen keine Performance ablegen, sondern die Gemeinde, das Publikum herausfordern, interaktiv zu werden und nicht nur zu konsumieren. Daher ist diese Frage sehr wichtig: „Wie soll es gesagt werden?“

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