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Sollten wir „deren“ Lieder singen?

Hin und wieder ist es an der Zeit eines der „heißen Eisen“ des Musikdienstes in unseren Gemeinden anzufassen. Diese Woche ist es wieder soweit. Ich habe hierzu Mike Harland gefragt, ob ich seine Perspektive weitergeben darf. Ich kenne Mike aus meiner Zeit in Nashville. Er war lange Jahre der Leiter von LifeWay Worship, ist ein gesuchter Berater für Gemeindeleiter in Sachen Lobpreis und Musik und er dient derzeit als Musikpastor in der First Baptist Church in Jackson, MS. Dieser kurze Artikel beantwortet nicht alle Fragen des Themas, aber die Gedankenansätze sind meiner Meinung nach sehr hilfreich. Es geht um die Frage, ob wir Lieder von Autoren singen sollten, mit deren theologischem Hintergrund wir nicht ganz einverstanden sind. Also: Sollten wir „deren“ Lieder singen?

Dies ist eine komplizierte Frage mit einer einfachen Antwort. Kurz gesagt lautet die Frage: „Können wir Lieder singen, die von jemandem geschrieben wurden, der anders glaubt als wir?“

Diese Frage stellt sich heutzutage nur allzu oft. Ein eingängiges, schönes Lied wird geschrieben, und wir lieben es!

Es ist biblisch und lehrt etwas, das wir unseren Leuten nahe bringen wollen. Wir wollen es singen und können es kaum erwarten, dass unsere Gemeinde es singt.

Dann recherchieren wir und entdecken, dass sie es geschrieben haben. Oh, nein!

Meine Meinung? Singe es. Hier ist der Grund

Alle Wahrheit ist Gottes Wahrheit

Wenn ein Lied etwas sagt, das biblisch wahr ist, dann nicht, weil der Autor eine Art Offenbarung der Wahrheit erhalten hat, die nun in einem Lied festgehalten ist. Es liegt daran, dass die Wahrheit des Liedes von Gott selbst festgelegt wurde.

Die Wahrheit war wahr, bevor das Lied geschrieben wurde. Und sie wird wahr sein, nachdem das Lied wieder vergessen wurde.

Die Wahrheit ist ewig, und die Lieder, die wir singen, sollten seiner Wahrheit entsprechen. Die Wahrheit, die sie ausdrücken, sollte niemals einem menschlichen Autor zugeschrieben werden, so als ob der Verfasser sie sich ausgedacht hätte.

Wenn ein Lied wahr ist, dann ist Gott derjenige, der es wahr gemacht hat.

Es ist ein Schlitterpfad

Wenn man nur eine Minute darüber nachdenkt, werden man schnell erkennen, wie schlüpfrig dieser Pfad wirklich ist.

Ich will hier keine Namen nennen, aber wenn wir anfangen würden, eine schwarze Liste von Kompositionen zu erstellen, die wir aufgrund der Theologie des Komponisten nicht singen können, wäre es schockierend, wie viel von unserem Gesangbuch wir verlieren würden, ganz zu schweigen von Meisterwerken und Standards der Chorliteratur.

Würden wir dieselben Kriterien auf die großen Bücher und Predigten anwenden, die wir so gerne zitieren, hätten unsere Pastoren und Prediger Schwierigkeiten, überhaupt Quellen für ihre Predigten zu finden.

Gott benutzt alle möglichen Menschen, um uns zu lehren. Und nur weil eine Person in einem Punkt falsch liegt, heißt das nicht, dass man ihr in einem anderen Punkt nicht vertrauen kann.

Ich habe in meinem Leben ein paar subtile theologische Veränderungen vorgenommen, wie es jeder Jünger tun würde, der in der biblischen Erkenntnis wächst. Das bedeutet nicht, dass jedes Lied, das ich geschrieben habe, als ich jünger war, weggeschmissen werden sollte. (Zugegeben, viele von ihnen sollten weggeworfen werden, aber aus anderen Gründen, zum Beispiel weil sie nicht besonders gut waren… )

Es lenkt vom Wesentlichen ab

Wenn die Theologie der Gemeinde, die den Autor unterstützt, dir Sorgen macht, dann sollte du dir die Theologie des Liedes auf jeden Fall noch genauer ansehen. Aber wenn das Lied eine biblische Wahrheit zum Ausdruck bringt, dann liegt der wichtigste Schritt noch vor uns.

Was der Autor meinte, als er es schrieb, ist interessant zu wissen. Aber was der Sänger oder die Sängerin meint, wenn er oder sie es singt, ist absolut entscheidend. Sie können ein Lied in jedem beliebigen Kontext anwenden und die Bedeutung auf Ihre Gemeinde übertragen.

Anstatt darüber nachzudenken, was der Verfasser des Liedes getan hat, sollten wir uns darauf konzentrieren, was wir sagen, wenn wir das Lied singen. Das ist der Teil, den Gott beurteilt.

Gott wird uns nicht für das verantwortlich machen, was „die anderen“ glauben und lehren. Aber er wird uns für das verantwortlich machen, was wir glauben und lehren, wenn wir es singen.

Stirb nicht auf diesem Hügel

Ist dieser es den Kampf wert? Dein Dienst wird nicht zusammenbrechen, wenn deine Gemeindeleitung dir sagt, dass du die Lieder von bestimmten Autoren nicht singen sollst.

Halte dir vor Augen, was wirklich wichtig ist: Bemühe dich um Einigkeit und Verständnis in dieser Frage und sorge um jeden Preis für deine Herde.

Gehe an dieses Thema mit Demut heran. Sei vorsichtig, was du kritisierst. Führe deine Herde gut.

Kommentare

3 Kommentare

  1. 2. Versuch…
    In der Tat ist das ein spannendes Thema. Stimme dem Autor da zu.
    Aber es ist insofern noch recht gut handhabbar, als dass es hier um die Beurteilung von „Textinhalten“ geht. Ist diese Ebene die einzige, die Werte und Messages vermittelt? Musiker wissen, natürlich nein. Das macht den Text freilich nicht unwichtig…
    Heißer wird das Eisen jedoch deutlich, wenn wir uns mit dem anderen, dem eigentlichen musikalischen Element, der „Verklanglichung“ auseinandersetzen. Ein äußerst vermientes Gelände, traut sich kaum jemand dran. Vollgespickt, geradezu umlagert von Erfahrungen, Erwartungen, Gewohnheiten, Beziehungen, unterschiedlichen Interessen…
    Zu groß die Gefahr daneben zu treten. Und trotzdem ein ebenso essentielles und wichtiges Thema, weil es zur Reflexion unserer geistlichen Gesundheit dazu gehört. Zugegeben, nicht jeder sollte sich eine OP zutrauen, aber wenn es keiner täte, hätten wir ein Problem.
    Vermittelt bzw spiegelt unsere geistliche Musik die biblischen Werte, oder kann sie diesen Werten manchmal auch widersprechen? Kann sie überhaupt nicht widersprechen? Wenn aber doch, was sind die Merkmale, Parameter, Grenzen?
    Sich diesen Fragen im geistlichen musikalischen Bereich zu stellen Bedarf enormer Bereitschaft zur Reflexion, Korrektur, und da ist das Gefallen bestimmter Gewohnheiten eben nicht dass wichtigste Argument! Ich glaube, daran scheitert es in den meisten Fällen, bevor es überhaupt zur inhaltlichen Auseinandersetzung kommt. So sind wir leider häufig… Aber wie war das nochmal mit den Fischen und dem Strom? Also auf, keine Angst vor Korrektur und Popularitätsverlust! Gottes Segen dabei!

    • Hallo lieber Eugen und danke für deinen Beitrag. Du hast grundsätzlich recht, dass der Umgang mit Inhalten von Liedern viel einfacher ist, als die Bewertung der subjektiven Wirkung der Musik und der damit vermittelten Botschaft. Die Auseinandersetzung mit musikalischen Elementen ist aus den von dir genannten Gründen tatsächlich eine delikate Sache, die jedoch in diesem Bewusstsein angegangen werden kann und auch muss, wie ich meine. In meiner Erfahrung ist es jedoch am hilfreichsten, wenn dies immer in einem bestimmten örtlichen Kontext geschieht, gerade weil so viele subjektive Elemente zum Tragen kommen. Wo Texte an der Autorität der Heiligen Schrift, die immer und überall gilt, geprüft werden kann, muss musikalische Botschaft immer im Gespräch mit dem Empfänger beurteilt werden, da es hier keine universalen Autoritäten gibt. Und diese Auseinandersetzung geschieht immer häufiger, auch wenn natürlich noch viel Luft nach oben ist.
      Die Sachlage dieses Artikels jedoch dreht sich weniger um die eigentliche Musik, sondern um die Auseinandersetzung mit der Quelle von Text und Musik. Kann selbst die „beste“ Musik (wie auch immer bewertet) aus fragwürdigen Quellen dennoch segensreich sein? Das ist die Fragestellung mit der immer mehr Musik- und Gemeindeleiter konfrontiert werden.

  2. Da stimme ich dir zu.


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