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Gemeindechöre (Teil 2): Chor = Chor = Chor?

Chöre sterben an fehlender Vision. Mit dieser steilen These habe ich letzte Woche eine Blogreihe zum Thema Gemeindechöre losgetreten. In den folgenden Artikeln möchte ich nun Impulse weitergeben, wie Chorarbeit in unserer Gemeinde in Zukunft aussehen könnte.

Einstieg verpasst? Hier gehts zum ersten Beitrag dieser Reihe.

Chor = Chor = Chor?

Als ich aufwuchs, kannte ich nur Gemeinden, die einen Chor hatten. Das hing für mich einfach zusammen.

Eine Gemeinde feiert Gottesdienst und im Gottesdienst singt ein Chor.

Der Chor existiert, weil die Gemeinde existiert, die den Gottesdienst feiert.

Natürlich ist das der unbefriedigende Zirkelschluss im Kopf eines 10-jährigen, doch bei wie vielen unserer Leute geht das Denken in Sachen Chor über diesen Gedankengang hinaus?

In den Jahren meines Dienstes, meiner Ausbildung und meiner Beobachtungen in Gemeinden hat sich mein Bild auf den Chor erweitert. Es gibt nicht den einen Auftrag für den Chor, oder das eine Profil.

Gemeindechöre setzen sich unterschiedlich zusammen, werden aus unterschiedlichen Gründen eingesetzt und haben daher auch unterschiedliche Ziele und Profile.

Doch eines möchte festhalten. Erfolgreiche Chöre haben etwas gemeinsam:

Sie haben ein geschärftes Profil, ein gemeinsames Verständnis. Mit anderen Worten: Sie haben eine klare Vision.

Sie wissen, warum sie da sind und wann sie ihre Aufgabe gut erledigt haben.

Ich möchte in den folgenden Beiträgen fünf mögliche Profile für einen Gemeindechor skizzieren. Sie können als Schablone für eine Chorvision verstanden werden.

Von dem Profil hängt ab, wer leiten und mitsingen darf, wie der Alltag des Chores aussieht und was als Erfolg definiert wird.

Natürlich schließen sich die Profile nicht gegenseitig aus. Ein Chor kann mehrere Schwerpunkte haben und Ziele kombinieren.

Doch je schärfer das Profil ist, desto größer die Chancen auf Erfolg. Davon bin ich überzeugt.

Singende Prediger

Ich bin in einem Chor aufgewachsen, der dieses Profil hatte. Uns prägten Sätze wie:

  • „Wir sind das Gesicht der Gemeinde“
  • „Wir bringen die gesungene Predigt“
  • „Wir wollen die Wahrheit in die Herzen der Menschen singen“

Nur Mitglieder mit Berufung

In diesem Chor durften nur getaufte Mitglieder der Gemeinde mitsingen, die ein gutes Zeugnis hatten und mit Gott und Menschen in Frieden lebten. Zudem musste die musikalische Gabe erkennbar sein.

Für Neueinsteiger gab es also ein kurzes Aufnahmegespräch, wo den Anwärtern die Ziele und Werte des Chores nahegebracht wurden und wo sie auch vorsingen mussten. Wenn die „Bewerbung“ angenommen wurde, kamen die Sänger in eine Probezeit von etwa 6-9 Monaten, bevor sie zum ersten Mal am Sonntag mitsingen durften.

Die Sänger wurden persönlich zur Rechenschaft gezogen, wenn sie den Proben ohne Abmeldung fernblieben. Es war wichtig, dass jeder Chorist seinen Dienst bewusst als Berufung und nicht als schöne Nebenbeschäftigung verstand.

Die Botschaft ist das Ziel

In den Proben legten wir großen Wert darauf, die Kernbotschaft eines Liedes so gut wie möglich zu begreifen und musikalisch auszudrücken. Alles andere musste sich diesem Ziel unterordnen.

Es ging nicht um musikalische Perfektion, um die Lieder, die uns am besten gefallen oder um die aufwändigste Instrumentalbegleitung. Die Botschaft stand im Zentrum.

Wenn das Lied A Capella wirkte, dann ließen wir die Instrumente weg. Der Solist mit dienender Haltung und ausdrucksstarker Stimme bekam das Solo. Brauchte das Lied eine Band, dann stellten wir drei Gitarren mit Schlagzeug hin…

Wir hatten ein großes Repertoire an Liedern, um dem jeweiligen Thema oder Schwerpunkt des Gottesdienstes gerecht zu werden. Neue Lieder wurden hauptsächlich nur dann eingeübt, wenn sie eine thematische Lücke schlossen.

Besondere Gottesdienste und Konzerte wurden immer vom Thema her geplant und strukturiert. Es kam sogar vor, dass wir bis zu 4 Lieder auf Adventskonzerten sangen, die eigentlich gar nicht weihnachtlich waren.

Unser Chorleiter wurde nicht müde uns immer wieder an die Worte der Lieder zu erinnern, sie zu verinnerlichen und persönlich anzunehmen. Nur dann kommt das gesungene Wort auch aus dem Herzen.

Kommunikation = Erfolg

Der Erfolg des Chores wurde an der Beständigkeit, an der thematischen Übereinstimmung und am inhaltlichen Feedback der Zuhörer gemessen.

  • Es war wichtig, jeden Sonntag kontinuierlich da zu sein, um den Gottesdienst mitzugestalten.
  • Es war wichtig, das passende Lied für den jeweiligen Moment im Gottesdienst zu haben.
  • Es war wichtig, dass die Zuhörer inhaltlich und musikalisch angesprochen wurden.

Man könnte folgenden Vers als Kernauftrag des Chores mit dem Profil „singende Prediger“ verwenden:

Lasst das Wort des Christus reichlich unter euch wohnen, indem ihr einander lehrt und ermahnt mit Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern. Singt Gott dankbar in euren Herzen.“ – Kolosser 3,16

Ich glaube, ich habe mit diesem Profil einen großen Querschnitt der Gemeindechöre beschrieben. Zumindest, wenn ich mit den Dirigenten über ihre Wünsche und Hoffnungen für den Chor rede.

 

Kennst du Chöre mit diesem Profil? Was würdest du ergänzen?

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