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Gemeindechöre (Teil 6): Hauskreis

Chöre sterben an fehlender Vision. Das ist die Prämisse für diese Blog Reihe über Gemeindechöre. Wenn du der Reihe gefolgt bist, dann konntest du vielleicht schon für dich neu bestimmen, wozu du den Chor in deiner Gemeinde einsetzen möchtest. Lass mich dir dennoch noch ein weiteres Profil vorstellen, das meiner Meinung nach ein echtes Potenzial hat.

Bisher in dieser Reihe erschienen:

Teil 1: Band vs. Chor
Teil 2: Chor = Chor = Chor?
Teil 3: Lobpreisteam
Teil 4: Rahmenprogramm
Teil 5: Evangelisation

Zusammenfassung

Es ist schon eine lange Blog Reihe, daher noch einmal kurz zusammengefasst.

Im ersten Beitrag habe ich umrissen, was eine Chorvision im Grunde beschreibt.

Eine Vision

  • hilft den Dirigenten und Sängern den Fokus zu behalten.
  • ist der „Gemeinsame Nenner“ im Gespräch mit den Ältesten.
  • formt die Grundlage für den gesamten Musikdienst und die Nachwuchsbildung.
  • dient als Motivation für alle Beteiligten.
  • leitet bei der Liederwahl für den Chor.

Sie beschreibt den Grund für die Existenz, die Ziele des Dienstes, was als Erfolg gewertet wird und welche Aufgabe der Chor im Gemeindeleben wahrnimmt.

In der letzten Woche habe ich mögliche Chorprofile beschrieben. Ein Chorprofil ist wie eine Schablone oder Vorlage, an der ein Dienst ausgerichtet werden kann. Es steckt den Rahmen ab, den jeder örtliche Chor dann individuell ausfüllen kann.

  • Das erste Profil war der Chor als „singende Prediger“. Hier stand die gesungene Botschaft im Kern der Vision.
  • Das „Lobpreisteam“ Profil gibt dem Chor die wöchentliche Aufgabe, die Gemeinde im gemeinsamen Gesang anzuleiten.
  • Warnende Worte gab es zum „Rahmenprogramm“ Profil, da hier die musikalischen Aspekte des Chores im Vordergrund stehen. Sie haben ihren Platz, aber der ist nicht an der Spitze der Prioritätenliste.
  • Ein spannendes Modell ist das „Evangelisation“ Profil, weil hier im Sinne eines Gesangsvereins die Türen für die Menschen aus der Umgebung geöffnet werden. Der Auftrag erstreckt sich über die Mauern der Versammlung hinaus.

Zu guter Letzt möchte ich ein Chorprofil vorstellen, das mir selbst nur theoretisch erklärt wurde:

Singender Hauskreis

Das letzte Profil begegnete mir auf einer Reise durch die USA. Die Musikleitung einer sehr großen Gemeinde erklärte mir, dass sie dabei waren, ein Chorprogramm zu starten.

Als sie mir dann den Chorraum zeigten, wurde ich stutzig. Es sah eher aus wie eine Lounge als wie ein Proberaum.

Der Leiter hatte wohl meinen Gesichtsausdruck bemerkt und erklärte: „In unserer Gemeinde geht es in allem, was wir tun, zuerst um geistliche Gemeinschaft. Der Chor darf da keine Ausnahmen sein.“

Langsam dämmerte mir, was er mir zu sagen versuchte. Diesem Chor ging es gar nicht in erster Linie um den Auftritt am Sonntag (sie wollten nur einmal im Monat singen).

Die Leute kamen in diesen Chor, weil sie dort ermutigende Gemeinschaft finden und geistlich auftanken wollten. Wie ein Hauskreis mit musikalischem Schwerpunkt.

Es wird geübt und gesungen. Doch das ist nur ein Teil der Treffen.

Wie genau die wöchentlichen Proben aussehen, kann ich leider nicht berichten. Ich habe dieses Modell nur theoretisch vorgestellt bekommen. Doch es braucht nicht viel Fantasie, um sich das selbst auszumalen.

In gewisser Weise kann und sollte dieses Profil auf jeden Chor in der Gemeinde abfärben. Als Chor ist man effektiver, wenn man eine geistliche Einheit bildet.

Der Chor ist schon heute für viele Sänger eine Art geistliche Heimat und so mancher erfährt mehr Ermutigung in den Proben als an anderen Orten des Gemeindelebens.

Geistlich eingestellte Chorleiter haben diesen Aspekt im Blick und finden Wege, die geistliche Gemeinschaft bewusst zu fördern. Es gibt dazu zwei Ansätze:

  • Gemeinschaft und Singen: Das hier besprochene Profil ist genau das. Es gibt den ausgedehnten Gemeinschaftsaspekt, der auf geistliches Wachstum, Rechenschaft und Jüngerschaft abzielt. Darüber hinaus wird auch gesungen, mit gelegentlichen Auftritten.
  • Gemeinschaft beim Singen: Chöre mit einem wöchentlichen Auftrag im Gottesdienst haben oft nicht den Luxus der Zeit, den der erste Ansatz benötigt. Doch kann man bewusst auch durch oder beim Singen Gemeinschaft erleben. Schließlich ist das Singen auch auf den Proben schon ein geistlicher Akt. Wenn dies in den Vordergrund gehoben wird, kann geistliche Gemeinschaft während des Singens entstehen.

Der zweite Ansatz lässt sich gut in andere Profile integrieren. Ich finde das sogar unerlässlich. Doch wenn eine Gemeinde für ihre Gottesdienste musikalisch nicht auf den Chor angewiesen ist, dann scheint der erste Ansatz eine spannende Alternative zu sein.

Ein Bibeltext aus Epheser 5,18b-19 könnte der Leitspruch für dieses Profil sein: „…lasst euch mit dem Geist erfüllen, indem ihr untereinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern redet und in euren Herzen dem Herrn singt und spielt.“

 

Chöre leben oder sterben an ihrer Vision. Was ist deine?

Kommentare

2 Kommentare

  1. Lieber Johannes, ich danke Dir sehr für diese Blog-Reihe, die mich sehr zum Nachdenken gebracht. Vielen Dank für deinen Dienst.

    • Hallo lieber Alexander. Danke für deine Rückmeldung. Ich wünsche dir für deinen Dienst Gottes reichen Segen.


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