Skip to content

Anbetung global – was wir lernen können (Teil 3)

Wenn Dr. Ron Man über globale Anbetung schreibt, dann tut er es als Augenzeuge. Seit einigen Jahrzehnten ist es als Theologe und Lehrer in vielen Ländern der Welt unterwegs. Seine Beobachtungen und Gedanken sind nicht angelesen. Als Bibellehrer bringt er das, was er erlebt in den größeren Zusammenhang der Bibel und der Kirchengeschichte. Diese Vogelperspektive kann uns wirklich helfen mit unseren konkreten Herausforderungen im eigenen Dienst gelassener und zielgerichteter umzugehen. Mir geht es jedenfalls so.

Anbetung – ein globales Phänomen

Ein Werk Gottes

In Teil 1 befassten wir uns mit dem wachsenden Interesse und dem Fokus der Kirche auf die Anbetung in den letzten fünfzig Jahren. Dies ist ein globales Phänomen, denn auf der ganzen Welt kann das beobachtet werden.

Wir werden Zeugen, wie Gott am Werk zu sein scheint (seit A. W. Tozer 1961 den Gottesdienst als „das fehlende Juwel der evangelikalen Kirche“ bezeichnete). Er möchte seiner Kirche die Anbetung seiner selbst als ihr zentrales Ziel und ihren Schwerpunkt zurückzugeben.

Die Auswirkungen von Globalisierung und Kommunikation

In Teil 2 ging es um die „Schrumpfung“ der Welt. Die rasante Entwicklung des Flugverkehrs und die explosionsartige Zunahme elektronischer und digitaler Kommunikationsformen haben Auswirkung auf die Anbetung der Christenheit.

Wie nie zuvor hat die Kirche ein Bewusstsein für andere Kulturen und ihre Kunst. Wie lernt weltweite Kirche und ihre reiche Vielfalt an musikalischen und gottesdienstlichen Ausdrucksformen kennen.

Die wiederentdeckte Beziehung zwischen Gottesdienst und Mission

Auch in Teil 2 haben wir untersucht, wie in den letzten Jahrzehnten die enge Beziehung zwischen Anbetung und Mission wiederentdeckt wurde. Diese Entwicklung hat diese beiden Bereiche christlicher Arbeit sehr bereichert.

Gleichbleibende Themen

Heute möchte ich bemerkenswerte Tatsache in Bezug auf das weltweite Phänomen der Anbetung reden. Beständig tauchen bestimmte Themen auf, egal wo auf der Welt man sich befindet.

Debatten über Gottesdienstformen und -stile sind allgegenwärtig! Fast überall sind die Kirchen mit Spannungen konfrontiert, die vielen von uns nur allzu vertraut sind:

  • die Vorlieben der Älteren gegenüber denen der Jüngeren
  • traditionelle Stile gegenüber zeitgenössischen Stilen
  • Hymnen gegenüber Chören
  • liturgische gegenüber spontanen Gottesdiensten
  • akustische gegenüber elektronischen Instrumenten.

Stile und Praktiken

Tatsächlich finden sich die tiefgreifendsten Konflikte über Anbetungsstile und -praktiken verstärkt in solchen Gesellschaften, in denen Religionsfreiheit und wirtschaftliche Sicherheit nicht nur vorhanden sind, sondern als selbstverständlich angesehen werden.

Kirchen, die verfolgt werden oder Hunger leiden, debattieren nicht über Anbetungsstile!

Unser geistlicher und materieller Wohlstand ermöglicht es uns vielleicht, uns auf die kleinen Dinge zu konzentrieren. Dennoch gibt es in vielen verschiedenen Kulturen Spannungen über Formen und Stile der Anbetung.

Musik und andere kulturelle Formen rufen in den meisten Gesellschaften starke Emotionen hervor. Daher ist das Thema nicht zu vernachlässigen.

Und es ist auch nicht neu. In der frühen Kirche gab es oft eine große Vielfalt an ethnischen und sozioökonomischen Hintergründen in einer Gemeinde (ethnische Juden, Griechen, Römer, „Barbaren“; Freie und Sklaven (und Sklavenhalter)).

Diese Vielfalt brachte natürlich auch ein breites Spektrum an Vorlieben und Meinungen über Musik und andere gottesdienstliche Elemente mit sich. Und die Gemeinde hatte keine andere Wahl, als sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen.

Es gab keine Möglichkeit für die Menschen, in eine andere Kirche am Ende der Straße mit einem anderen Gottesdienststil zu wechseln. Es gab „die Kirche in Ephesus“ oder „die Kirche in Korinth“.

Da es nur eine einzige Kirche gab, waren die Gläubigen gezwungen, zu lernen, zusammen zu leben und für ihr gemeinsames Ziel, Gott zu verherrlichen, zu arbeiten.

Fragen in der Geschichte

Die Kirchengeschichte ist ebenfalls voll von Debatten über Gottesdienstformen und -praktiken:

  • Welche Art von Musik soll verwendet werden?
  • Wer sollte den Gesang übernehmen?
  • Soll der Gesang einstimmig oder mehrstimmig sein?
  • Welche Arten von Harmonien sind angemessen?
  • Welche Texte sollten gesungen werden und welche nicht?
  • Sollen überhaupt Instrumente verwendet werden? Und wenn ja, welche?

All diese Fragen und noch viele mehr sind in den Kirchen im Laufe der Jahrhunderte heftig diskutiert worden. Und immer wieder entstehen neue Diskussionspunkte.

Lieder und Instrumente

Als im 12. Jahrhundert einige auf die Idee kamen, zum ersten Mal Orgeln in die Kirche zu bringen, protestierten andere: die Orgel sei ein „Instrument des Teufels“ und habe im christlichen Gottesdienst nichts zu suchen! (Bei einigen Gruppen hielt sich diese Ansicht bis ins 19. Jahrhundert.)

Andere haben das natürlich in jüngerer Zeit über Gitarren oder Schlagzeug gesagt.

„Sinnlose Worte, schlechte Theologie und emotionale Melodien“. Vielleicht hast du selbst etwas Ähnliches gedacht oder gesagt, nachdem du ein neues Lobpreislied gehört hast:

Nun, dieser Gedanke wurde 1719 über Isaac Watts‘ neue Hymne „O God, Our Help in Ages Past“ geäußert. Es gibt in der Tat nichts Neues unter der Sonne!

Vor ein paar Jahren traf ich auf einer Konferenz einen Missionar, der unter einer bestimmten Volksgruppe in Afrika arbeitet. Er erzählte, dass die Kirchen dort derzeit eine große Debatte darüber führen, ob es angemessen sei, das einheimische „Ballophon“ im christlichen Gottesdienst zu verwenden oder nicht (siehe Bild).

Die Quintessenz

Inmitten des „globalen Anbetungsphänomens“ sind viele Fragen aufgetaucht, die überall und in jedem Zeitalter immer wieder Gegenstand von Debatten sind. Dahinter steht eine grundlegende Frage:

Wie können wir die Notwendigkeit von Bibeltreue mit der Notwendigkeit von kultureller Sensibilität und Relevanz in unserem Gottesdienst in Einklang bringen?

Andere Möglichkeiten, die Frage zu formulieren, lauten:

  • Wie können wir die historische und praktische Kluft zwischen den biblischen Vorgaben und unserem kulturellen Kontext überbrücken?
  • Wie kann unser Gottesdienst „in“ der Welt, aber nicht „von“ der Welt sein?
  • Wo überschneiden sich Gottesdienst und Kultur?

Jede christliche Gruppe möchte in ihrem Gottesdienstkonzept „biblisch“ sein. Aber was genau bedeutet das, und wie soll das umgesetzt werden? Im nächsten Beitrag werden wir in diese tückischen Gewässer hinausfahren.

 

Der Artikel ist Teil des Blogs „Worship Notes“ Volume 6, Number 4, April 2011 und erschien zuerst hier

Vorherige Artikel zum Thema:

Teil 1

Teil 2

Kommentare

Noch kein Kommentar, Füge deine Stimme unten hinzu!


Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Melde dich für unseren Newsletter an.

Wir würden gern mit dir verbunden bleiben.  So bleibst du über unsere Arbeit auf dem Laufenden und verpasst keinen neuen Beitrag.