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Das singe ich nicht?! (Teil 4) – Argument: Gutheißen

Einfach klasse, wie viel Feedback ich von euch zu dieser Reihe bereits erhalten habe. Ich bete, dass diese Beiträge euch zum Weiterdenken anregen. Besonders, da wir uns diesmal um die pastorale Dimension dieser Fragestellung Gedanken machen. Was prägen wir durch die Liederwahl in den Menschen und besteht die Gefahr der Verführung?

Hilfestellung zum Umgang mit Liedern aus fragwürdigen Quellen

Die einzelnen Teile dieser Blogreihe sind als zusammenhängender Text zu verstehen. Einzelne Aussagen sollten daher immer im Kontext des Ganzen interpretiert werden. Zum Einstieg in dieses Thema empfehle ich, zunächst mindestens Teil 1 zu lesen.

Hier gehts zum Teil 1

Hier gehts zum Teil 2

Hier gehts zum Teil 3

Vergangene Woche ging es um das Argument der Unterstützung. Wenn man Musik anderer nutzt, dann sollte, rechtlich gesehen, der Urheber finanziell etwas davon haben. Wie ordnen wir das nun ein, wenn wir durch diese Lieder nun Quellen unterstützen, denen wir sonst nie direkt Geld gespendet hätten?

Die Antwort war zweierlei. Zum einen ist es in der heutigen Zeit unmöglich zu kontrollieren, wohin unser Geld tatsächlich fließt und was wir damit indirekt unterstützen. Zum anderen zählt unsere Motivation für die Auswahl dieser Lieder vor Gott.

Wir dürfen Gott getrost die Souveränität über diese gefallene Welt zugestehen. Er wird mit den Motiven der Menschen, die auf unterschiedlichen Wegen an unser Geld kommen, schon richtig umgehen können.

Heute wenden wir uns einem dritten und vielleicht wichtigsten Argument gegen diese Lieder zu. Dieses Argument hat nämlich eine pastorale Dimension.

Argument #3 – Gutheißen

Wenn ich diese Lieder singe, dann könnten andere denken, ich finde die Quellen gut und sie lassen sich daraufhin ungeschützt auf sie ein. Dadurch könnte ich andere mit einer aus meiner Sicht fragwürdigen theologischen Prägung in Kontakt bringen, weil ich sie durch den Gebrauch ihrer Lieder scheinbar gutheiße.“

Wir alle haben geistliche Verantwortung füreinander und besonders dann, wenn wir in der Leitung stehen. Es ist nicht eine Frage der persönlichen Vorliebe, sondern der direkte Auftrag unseres Herrn, gut für die Herde zu sorgen.

Dazu gehört auch der Schutz vor schädlichen Einflüssen auf die geistliche Entwicklung der Menschen. Wir tun recht daran, Angst davor zu haben, Menschen in die Irre zu führen.

Doch wie können wir mit dieser Fragestellung umgehen?

Das Gutheißen-Dilemma

Hinter diesem Argument steht, wie auch bei den zuvor erwähnten, immer ein berechtigtes Anliegen. Wir sollten jeden respektieren, der es schafft, durch sie zum einer friedlichen Lösung in der eigenen Gemeinde zu gelangen.

Leider lassen mich diese Argumente, auch das „Gutheißen Argument“, unbefriedigt. Und damit bin ich sicher nicht allein.

Eine berechtigte Sorge

Wir halten fest: Wir dürfen unsere Prägung und unseren Einfluss auf die Menschen unter unserer Verantwortung nicht unterbewerten. Wir erinnern uns an die Empfehlung von Jesus, den Mühlstein zu wählen, wenn wir eines seiner Kinder verführen (Mat 18,6).

Allerdings dürfen wir die Wirkung von unserer Liederwahl auch nicht überbewerten. Die Befürchtung, die durch das Gegenargument geäußert wird, ist vor allem dann naheliegend, wenn man überwiegend Lieder aus einer bedenklichen Quelle ungeprüft übernimmt.

In der Regel ist dies jedoch nicht der Fall, sondern man singt Lieder aus unterschiedlichen Quellen. Und wie ich bei jedem meiner Leser voraussetzen möchte, gibt es bei uns bestimmte Entscheidungskriterien, die die Lieder inhaltlich bewertet haben.

Die Frage stellt sich daher, ob man überhaupt das eine Lied singen sollte.

Die Perspektive

Zuerst müssen wir vorsichtig fragen: Was genau prägen wir, wenn wir diese Lieder singen? Ist es ein anderes Evangelium? Kommt es lediglich aus einer anderen Frömmigkeit?

Was prägen wir?

Mit anderen Worten, ist der Kern ihrer Botschaft anders, oder ist es lediglich die Form oder der Schwerpunkt? Und wenn die Quelle dieses Liedes Gemeinde und Glauben anders lebt als wir, wird das in dem besagten Lied wirklich kommuniziert?

Vielleicht sind die Lieder an sich unbedenklich, aber weil sie aus fragwürdigen Quellen kommen, könnten unsere Leute unkritischer mit ihnen umgehen und sich ihrem Einfluss öffnen. Doch wenn wir sie immer noch als Geschwister im Herrn bezeichnen können, wovor fürchten wir uns dann?

„Wir sollten uns davor hüten, Lieder oder Autoren zu ‚dämonisieren‘ aus Angst, dass der Teufel selbst durch diese Lieder auf unsere Gemeinden losgelassen wird.“[1]

Diese Aussage von Kauflin scheint etwas überspitzt zu sein. Allerdings erweckt mancherorts die Heftigkeit der Diskussion den Eindruck, dass genau dies die Befürchtung ist.

Was kommt wirklich an?

Auf der anderen Seite kann man auch hinterfragen, ob Menschen tatsächlich denken, wir würden sie gutheißen, nur weil wir ihre Lieder singen.

Es ist schier unmöglich die Gedanken der Menschen zu kennen oder sie zu kontrollieren. Unsere Leute entscheiden selbst, was sie hören und denken wollen.

Natürlich entbindet uns das nicht unserer Verantwortung. Doch liegt diese nicht in dem, was die Menschen hören, sondern in dem, was wir wirklich sagen.

Vielleicht dürfen wir unseren Leuten an dieser Stelle auch etwas mehr Unterscheidungsfähigkeit zugestehen? Und selbst wenn dieser wir hören würden, wir würden alles an ihnen gutheißen, dann wäre das doch mit einigen wenigen Erklärungen klargestellt, oder nicht?

Was können wir tun?

Besser noch, wir haben hier tatsächlich die Chance, unseren Gemeindegliedern zu einer neuen Glaubensreife zu verhelfen. Nämlich, dass man Lieder von andersdenkenden Christen sehr wohl singen kann, ohne jeder Aussage und Praxis von ihnen zustimmen zu müssen.

Bob Kauflin sagt dazu:

„Wenn ein christliches Werk Dutzende, wenn nicht Hunderte von Liedern herausbringt und Sie nur ein oder zwei davon singen, vermitteln Sie damit Absicht. Sie sagen damit, dass Sie dieses Lied wegen seines Inhalts und nicht wegen seiner Assoziationen ausgewählt haben. Sie drücken damit Ihre Dankbarkeit für jedes solide, bibeltreue Lied aus, das es dem Wort Christi ermöglicht, reichlich in den Menschen zu wohnen.“[2]

Das ist eine praktische Umsetzung von „prüft alles, und das Gute behaltet“ (1Thess 5,12).

 

[1] https://worshipmatters.com/2016/05/13/singing-songs-from-questionable-sources/

[2] https://worshipmatters.com/2016/05/13/singing-songs-from-questionable-sources/

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